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Thema Wind und Wende

22. Nov. 14

Grünen-Politiker, Energiewende-Architekt, Regierungskritiker

Hans-Josef Fell ist Mit-Autor des EEG und nach wie vor streitbar, wenn es um die deutsche Energiewende geht

Die Reform des EEG 2014 sieht Hans-Josef Fell sehr kritisch. In Wahrheit sei dies der Versuch, die Energiewende auszubremsen, im Sinne der alten Energiekonzernlobby.

Der Mann erregt Widerspruch. Bis heute. Hans-Josef Fell hat sich noch nicht mal auf seinen Platz zum Gespräch mit Energie-Winde.de-Redakteur Thomas Wendel richtig hingesetzt, da schießt der Politiker auch schon scharf gegen Sigmar Gabriel: Was der SPD-Wirtschaftsminister mit der EEG-Reform angerichtet habe, sei in Wahrheit der Versuch, die Energiewende auszubremsen, im Sinne der alten Energiekonzernlobby.

Mit ähnlichen Sätzen hat der 1952 im fränkischen Hammelburg geborene Grüne schon früh angeeckt – sich aber im Jahr 2000 durchgesetzt: Mit Unterstützung seines Freundes Hermann Scheer boxte er das Erneuerbare Energien Gesetz durch – was auch unter der rot-grünen Bundesregierung von Gerhard Schröder kein Selbstläufer war: Schließlich gelten große Teile der Sozialdemokratie sowie der damalige Bundeswirtschaftsminister Werner Müller bis heute als Freunde der in Nordrhein-Westfalen ansässigen Energieversorger Eon und RWE sowie der Kohleverstromung.

Fell, der einst Sport und Physik auf Lehramt studiert hat, engagierte sich bereits in den neunziger Jahren für Erneuerbare Energien, besonders für Solarstrom, zwischen 1998 und 2013 auch im Bundestag. Heute ist er Präsident der Energy Watch Group, die vor einem schnellen Rückgang der Verfügbarkeit fossiler Energieträger wie Öl, Kohle und Gas warnt und einen beschleunigten Ausbau regenerativer Energiequellen fordert.

Seit Jahren kümmert sich Fell zudem intensiv um die Energiezukunft vieler ehemaliger Sowjetrepubliken. Wenige Tage vor dem Interview war Fell erst von einer Reise aus Kiew zurückgekehrt – mit einer eindeutigen Botschaft: Wer Frieden wolle, müsse Potentaten und Aggressoren das Geld aus der Hand nehmen, mit dem sie Waffen kaufen könnten. „Unser Durst nach Erdöl destabilisiert die Welt immer weiter. Auch deshalb müssen wir heraus aus den konventionellen Energien.“

Iris Franco Fratini
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